In unserer Serie Experten der ästhetischen Medizin sprechen wir mit Maria Cordova. Ihr beruflicher Weg führte sie von Peru nach Deutschland und vereint wissenschaftliche Präzision mit einem ausgeprägten Sinn für Menschlichkeit, Empathie und Ästhetik. In ihrer Arbeit versteht sie Medizin als eine Verbindung aus Wissenschaft und Kunst – mit dem klaren Anspruch, Menschen nicht zu verändern, sondern sie in ihrer Individualität zu begleiten und zu stärken.

Seit meiner Kindheit hat mich der direkte Kontakt mit Menschen und die Möglichkeit, anderen wirklich zu helfen, tief motiviert. In meinem Herkunftsland – wie auch in vielen anderen Teilen der Welt – gibt es noch immer Situationen, in denen medizinische Versorgung nicht ausreichend ankommt. Das hat in mir früh eine starke Dienstbereitschaft geweckt.
Gleichzeitig hatte ich schon immer ein großes wissenschaftliches Interesse. Die Medizin stellte für mich den perfekten Schnittpunkt dar: menschliches Engagement, wissenschaftliches Arbeiten und gesellschaftliche Verantwortung. Sie war der logischste Weg, meine persönlichen, intellektuellen und sozialen Interessen miteinander zu verbinden.
Jeder Mensch besitzt ein einzigartiges Gesicht und eine individuelle Vorstellung von Schönheit. Es gibt heute viele technische Möglichkeiten, ästhetische Ziele zu erreichen – die wahre Kunst liegt jedoch darin, zu verstehen, was Schönheit für die einzelne Patientin oder den einzelnen Patienten bedeutet. Dazu gehören auch Ängste, Unsicherheiten und persönliche Wünsche. Diese ganzheitliche Betrachtung ist für mich essenziell.
Besonders geprägt hat mich die Menschlichkeit. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Frauen – gerade wenn es um ihren Körper, ihre Unsicherheiten oder Entscheidungen geht – nicht immer gehört werden. Diese Realität hat meine berufliche Haltung maßgeblich beeinflusst.
Für mich ist es zentral, dass sich Frauen in meiner Praxis gehört, respektiert und ernst genommen fühlen. Gleichzeitig bin ich überzeugt davon, dass auch Männer ihr äußeres Erscheinungsbild pflegen dürfen, ohne dafür verurteilt zu werden. Ich sehe die Menschen nicht als Kunden, sondern als Patientinnen und Patienten mit Geschichten, Emotionen und Bedürfnissen, die Aufmerksamkeit und Respekt verdienen.
Die Allgemeinchirurgie war entscheidend für die Entwicklung meiner manuellen Fähigkeiten und meiner Präzision. Die Dermatologie wiederum hat mir ein tiefgehendes Verständnis der Haut vermittelt – sowohl aus klinischer als auch aus struktureller Sicht. Die Kombination beider Fachgebiete bildet heute das Fundament meiner Arbeit in der ästhetischen Medizin.
Vor allem habe ich gelernt, wann man nicht behandeln sollte. Die große Erfahrung hat mir gezeigt, dass nicht alles, was möglich ist, auch notwendig oder sinnvoll ist.
Ein wesentlicher Teil ärztlicher Verantwortung liegt darin, Nein sagen zu können – etwa bei unrealistischen Erwartungen oder wenn eine Behandlung die anatomische oder ästhetische Harmonie des Gesichts stören würde. Zurückhaltung, ehrliche Aufklärung und respektvolle Begleitung sind für mich Ausdruck echter Professionalität.
Meine Motivation war es, ästhetische Medizin personalisiert und menschlich anzubieten – fernab von unpersönlicher Massenabfertigung. Nähe und Empathie bereichern sowohl meine Arbeit als auch meine Patientinnen und Patienten.
Darüber hinaus war mir wichtig, berufliches Engagement und persönliches Wohlbefinden in Einklang zu bringen: meine Gesundheit, mein Zuhause, meine Familie und auch die Zeit mit meinen Hunden, die ein wichtiger Teil meines Lebens sind. Diese Balance spiegelt sich direkt in der Qualität der Betreuung wider.
Für mich ist die Haut weit mehr als ein ästhetisches Element. Sie ist ein hochkomplexes Organ mit Schutz-, Regulations- und Kommunikationsfunktionen. Gleichzeitig trägt sie unsere Lebensgeschichten, Erfahrungen und Emotionen in sich.
Ästhetische Medizin sollte sich deshalb nicht darauf beschränken, einer ‚jungen‘ Haut nachzujagen, sondern verstehen, was sich hinter dem Ausdruck der Haut verbirgt. Häufig beeinflussen äußere Unsicherheiten tiefgehend das Selbstwertgefühl, die Intimität und das soziale Verhalten.
ALMA bedeutet im Spanischen ‚Seele‘. Für mich steht dieser Begriff für das Wesen des Menschen – für das Zusammenspiel von innerem und äußerem Wohlbefinden.
Ästhetische Medizin kann helfen, das äußere Erscheinungsbild so zu begleiten, dass sich ein Mensch auch innerlich wieder stimmig fühlt. Voraussetzung dafür ist, zuzuhören, individuell zu begleiten und Behandlungen respektvoll, proportional und natürlich umzusetzen.
Vertrauen entsteht durch Erfahrung, Empathie und Transparenz. Ich nehme mir bewusst Zeit, höre aktiv zu und gebe ehrliche Empfehlungen – auch dann, wenn das bedeutet, von einer Behandlung abzuraten.
Diese Arbeitsweise ist nicht nur das Ergebnis meiner medizinischen Ausbildung, sondern auch meiner lateinamerikanischen Herkunft. Menschliche Nähe, echtes Zuhören und Fürsorge sind Werte, die mich geprägt haben und die ich täglich in meiner Praxis lebe.
Im Alltag bedeutet das, die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten in realistische, sichere und individuell abgestimmte Lösungen zu übersetzen. Oft sind es kleine Unsicherheiten, die das Selbstvertrauen stark beeinflussen können.
Mein Ansatz basiert auf Respekt vor Individualität, Proportionen und Natürlichkeit. Wenn eine Behandlung dazu beiträgt, dass sich ein Mensch wohler fühlt, ohne seine Essenz zu verlieren, dann ist für mich das Ziel erreicht.
Für mich zählt nicht allein das sichtbare Resultat. Eine Behandlung ist dann gelungen, wenn ein Mensch die Praxis ruhiger, sicherer und mit innerem Frieden verlässt.
Besonders wertvoll sind immaterielle Zeichen: Vertrauen, eine gewachsene Beziehung und die Tatsache, dass Patientinnen und Patienten zurückkehren oder weiterempfehlen, weil sie sich gesehen, verstanden und respektiert fühlen. Der wahre Erfolg liegt darin, Menschen mit Ethik, Sensibilität und Menschlichkeit zu begleiten.
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