Sarkasmus trifft medizinische Realität
Nach meiner Verletzung im Oktober 2024 kämpfte ich seit Monaten mit zwei schlecht heilenden Wunden am linken und rechten Schienbein und Reaktionen auf verschiedenste Verbandsmaterialien. Meine Hausärztin – eine Ärztin, die ihren Beruf tatsächlich ernst nimmt – überwies mich deshalb zur Abklärung an diese Hautarztpraxis....
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Sarkasmus trifft medizinische Realität
Nach meiner Verletzung im Oktober 2024 kämpfte ich seit Monaten mit zwei schlecht heilenden Wunden am linken und rechten Schienbein und Reaktionen auf verschiedenste Verbandsmaterialien. Meine Hausärztin – eine Ärztin, die ihren Beruf tatsächlich ernst nimmt – überwies mich deshalb zur Abklärung an diese Hautarztpraxis. Auftrag: „Bitte einen großen Allergietest durchführen.“ Klingt nach Medizin. Bekommen habe ich allerdings eher Improvisationstheater.
Der „große Allergietest“ der Ärztin bestand aus einer einzigen, revolutionären Frage: „Haben Sie Probleme, wenn Sie Gummihandschuhe tragen?“ Ich: „Nein.“ Sie: „Dann haben Sie keine Allergien.“ Wow. So schnell wurde in der Geschichte der Allergologie vermutlich noch nie ein Fall abgeschlossen. Hut ab. Diagnostik auf Champions-League-Niveau. Sherlock Holmes wäre vor Neid erblasst.
Die Wundversorgung war dann das nächste Highlight. Ich erklärte, dass ich auf Schaumauflagen reagiere – deshalb war ich ja überhaupt dort. Die Ärztin blieb jedoch standhaft: „Auf die Wunde muss Schaum. Vertrauen Sie mir.“ Mein mitgebrachtes, verträgliches Verbandsmaterial, wurde ignoriert und meiner Hausärztin sogar jegliche, medizinische Fachkompetenz abgesprochen.
Meine Hausärztin hatte sich zuvor wirklich bemüht, Material zu finden, das meine Haut nicht sofort in den Ausnahmezustand versetzt. Hier hingegen bekam ich das Gefühl, dass meine Wunde eher als lästige Randnotiz betrachtet wurde.
Als ich um eine Überweisung in die Hautklinik bat, wurde mir erklärt, das sei „nicht notwendig“. Das Ergebnis sah ich am nächsten Tag beim Verbandswechsel: Die Schaumauflage hatte die frisch gebildete Haut zerstört. Zurück auf Start. Wieder bei Null. Danke dafür.
Warum ich diese Bewertung erst jetzt schreibe? Weil ich nach einer langen, frustrierenden Odyssee endlich über Umwege in der Allergologie der UMG Göttingen gelandet bin. Heute kam das Ergebnis:
• Ich habe eine extrem empfindliche Haut, die sogar auf Sensitiv-Pflaster heftig reagiert.
• Ich bin allergisch auf fünf verschiedene Gräser und Pollen.
• Und das Beste: Ich reagiere massiv auf vier Stoffe, die in Verbandsmaterial, Pflastern, Medikamenten, Klebstoffen und Gummi enthalten sind.
Kurz gesagt: Der „große Allergietest“ der Ärztin war ungefähr so treffsicher wie ein Wetterbericht aus dem 5. Jahrhundert v. Chr.
Wer eine gründliche Diagnostik, ernsthafte Beratung oder auch nur das Gefühl sucht, ernst genommen zu werden, sollte sich lieber eine andere Praxis suchen. Wer hingegen erleben möchte, wie man mit einer einzigen Frage Allergien ausschließt und Wundversorgung als Glücksspiel betreibt, ist hier bestens aufgehoben.
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