Positiv vorab: Das Team ist sehr freundlich, die Praxis top organisiert und die Wartezeit betrug keine 10 Minuten. Auch der Arzt war menschlich nett, was die fachliche Vorgehensweise aber leider nicht rechtfertigt.
Die Anamnese empfand ich als sehr oberflächlich. Während ich noch die Vorgeschichte schilderte (Sprachverlust seit Ohrenproblemen im November, f...
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Positiv vorab: Das Team ist sehr freundlich, die Praxis top organisiert und die Wartezeit betrug keine 10 Minuten. Auch der Arzt war menschlich nett, was die fachliche Vorgehensweise aber leider nicht rechtfertigt.
Die Anamnese empfand ich als sehr oberflächlich. Während ich noch die Vorgeschichte schilderte (Sprachverlust seit Ohrenproblemen im November, fehlende Reaktion auf Tonausfall beim Fernseher), wurde bereits mit der Untersuchung begonnen. Meine Beobachtungen wurden nur beiläufig abgefragt und spielten in der Beurteilung keine Rolle. Man verließ sich blind auf ein kurzes Messergebnis und die pauschale Aussage: „Er hört auf jeden Fall, daran liegt es nicht.“
Besonders erschreckend: Nach einer 5-minütigen Momentaufnahme wurde sofort die „Autismus-Keule“ geschwungen. Auch wenn keine finale Diagnose gestellt wurde, ist es absolut anmaßend, diese Vermutung überhaupt in den Raum zu stellen. Ich bin selbst pädagogische Fachkraft und kenne mich mit kindlicher Entwicklung aus – doch selbst ich würde mir niemals anmaßen, so ein Urteil nach wenigen Minuten zu fällen. Dafür braucht es Experten und Monate der Beobachtung. Dass ein HNO-Arzt meint, so eine neurologische Richtung vorgeben zu können, ist unprofessionell. Zudem wirkte er direkt „auf den Schlips getreten“, als ich eine fachliche Interessenfrage zur Technik des Geräts (Flimmerhärchen) stellte.
Ein kompetenter HNO hätte wissen müssen, dass ein unauffälliger Befund im Gehörgang organische Ursachen in der tieferen Reizverarbeitung nicht ausschließt. Die Möglichkeit, einen Pädaudiologen hinzuzuziehen, wurde nicht einmal erwähnt. Ein professioneller Weg wäre gewesen, erst die Pädaudiologie einzubinden und bei einem dortigen Ausschluss gemeinsam mit dem Kinderarzt nach psychischen Ursachen zu suchen. Stattdessen wurde das Gehör sofort abgehakt und die psychologische Schublade geöffnet. Wer eine gründliche Ursachenforschung sucht, ist hier leider falsch.
Nachtrag:
Es ist positiv, wenn Sie sich mein Feedback zu Herzen nehmen und die Kommunikation in Zukunft sensibler gestalten möchten. Dennoch empfinde ich Ihre Antwort in Bezug auf unseren Fall als ein Herunterspielen der Situation, da eine echte Differentialdiagnostik vor Ort einfach nicht stattgefunden hat.
Eine gründliche Diagnostik zeichnet sich dadurch aus, organische Ursachen wirklich abzuklären, statt sie direkt auszuschließen. In der Realität wurde die Messung mit den Stöpseln begonnen, während ich noch die Vorgeschichte schilderte – obwohl bei diesen Geräten absolute Stille herrschen muss, da Fremdschwingungen das Ergebnis verfälschen können. Als mein Sohn sich beim zweiten Ohr verständlicherweise wehrte, wurde der Test nach wenigen Sekunden abgebrochen und die pauschale Aussage getroffen: „Wenn auf dem einen Ohr nichts ist, ist auf dem anderen auch nichts.“ Diese Aussage ist medizinisch nicht korrekt, da ein Paukenerguss absolut wechselhaft, tagesformabhängig und eben auch einseitig auftreten kann.
Anstatt also die Reizverarbeitung genauer zu betrachten oder einen zweiten Kontrolltermin für den Paukenerguss anzubieten, wurde nach einer 5-minütigen Momentaufnahme direkt gesagt, es müsse etwas Psychisches sein, das sei „bestimmt Autismus“, und eine entsprechende Überweisung ausgestellt. Das überschreitet die Kompetenz eines HNO-Arztes maßlos – selbst ich als pädagogische Fachkraft würde mir ein solches Urteil nach wenigen Minuten niemals anmaßen.
Ich hoffe sehr, dass Sie dieses Feedback für die Zukunft nutzen; in unserem Fall war das Vorgehen leider meilenweit von einer strukturierten Differentialdiagnostik entfernt.
Und das bei hohem Patientenaufkommen nicht detailiert auf jede Frage eingegangen wird, verstehe ich. Aber 1. Waren kaum Leute dort zu dem Zeitpunkt. Und zweitens war es eine einfache Ja oder Nein frage. Ich habe nur gefragt, weil ich mich ja nicht auskenne und er nicht erklärte was er macht (was ich von anderen kenne), ob das Gerät auch die Flimmerhärrchen misst. Mehr fragen kamen meinerseits nicht. Und Zeit um mehrfach zu sagen, das es eher Autismus ist, war ja auch da.
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